WESTWERK.

WESTWERK.

Eröffnung | Donnerstag | 11. Dezember 2025 | 19 Uhr

Einführung Anne Köhnke, Behörde für Kultur und Medien Hamburg | 20 Uhr

Ausstellung | 12. bis 14. Dezember 2025 | 16 bis 19 Uhr

2025

Mikrogeschichten von Heimat und Fremde.

Die künstlerische Arbeit Qian Hans bewegt sich zwischen Familienerinnerungen, dem weiblichen Körper und geografischen Erzählungen. Ihre Arbeit verfolgt einen komplexen Weg – einen Weg, der die Frage aufwirft, wie das Individuum inner-
halb der verflochtenen Strukturen von Geschichte, Raum und Identität geformt und verdeckt wird und wie subtile, sanfte Gesten dennoch Spuren in großen Erzählungen hinterlassen können. Dieser Weg verbindet den Norden und Süden Chinas und reicht gleichzeitig bis in die 1950er Jahre zurück – die Ära der industriellen Migration und des Wiederaufbaus in Stadt und Land –, wobei er die historischen Schichten der Identitätsbildung, den Wandel der politischen Sprache und die Umverteilung von Ressourcen berührt.

Qians Erforschung dieser Entwicklung stützt sich zunehmend auf umfassende historische und geografische Erfahrungen und Vorstellungen. Nachdem sie fast ein Jahrzehnt in Europa gelebt hat, ist ihr zunehmend bewusst geworden, dass ihr Selbst-
verständnis zwischen China und Europa ständig neu definiert und zusammengesetzt wird. 2021 führte sie die Erforschung ihrer Familiengeschichte zurück nach China,
wo sie begann, zwischen Wuhan – ihrem Geburtsort – und der nordöstlichen Region, in der ihre Großeltern einst lebten, hin und her zu pendeln. Für Qian Han ergab sich die Fragestellung: Wie bewahrt der Raum Emotionen und Geschichte im Übergang zwischen »Heimat« und »Fremde«? Wie hallen übersehene persönliche Erfahrungen in der Landschaft, in Materialien und in der körperlichen Wahrnehmung nach?

Diese Fragen bilden den Kern ihrer künstlerischen Praxis sowie ihrer aktuellen Arbeit in Hamburg – einer Hafenstadt, die von Schichten industrieller und migra-
tionsgeschichtlicher Vergangenheit geprägt ist. Während ihres Aufenthalts im Westwerk wird sie mit Video und Installationen arbeiten, um durch die Fragilität
der Materialien »Mikrogeschichten« entstehen zu lassen – Geschichten, die oft vernachlässigt werden; die zart, privat und still sind.

RESIDENCY