WESTWERK.

WESTWERK.

Admiralitätstr. 74

20459 Hamburg

Eröffnung | Freitag | 26. Mai 2017 | 19 Uhr

Ausstellung: 27. Mai bis 11. Juni 2017

Vortrag | Fr | 2. Juni 2017 | 20 Uhr

Eine Programmübersicht von Martin Kreyßig

Am Süddeutschen Rundfunk in Stuttgart konnte Beckett zwischen 1966 und 1986 sechs Stücke realisieren. Die Mittel des Fernsehens auf wesentliche Aussagen reduziert – Aufbau und Ablauf der Choreographien erinnern an natur-
wissenschaftliche Versuche – konzentrieren sich die Arbeiten auf den Körper und die Aufzeichnung der Handlungen ohne technische Finessen: Stimme, Schweigen, Verschwinden. Sämtliche Fragmente erzeugen mit ihrer Kombinatorik eine Geometrie des Rituals, ein musikalisches Ritornell.

Der französische Philosoph Gilles Deleuze hält in seinem Essay »Erschöpft« (1992) diese Fernseh-
arbeiten für die Essenz der Entwicklung des Dichters, Dramatikers und Nobelpreisträgers:
»Es ist, als ob man gleichzeitig ein Hörspiel und einen Stummfilm vorführte.«

Der Vortrag bietet eine Programmübersicht über das filmische Werk von Samuel Beckett,
zeigt Ausschnitte und verknüpft die Arbeiten mit künstlerischen Positionen seiner Zeit.

 

**Die Kneipen, Gaststätten und das Wetter sind in Hamburg in etwa so geblieben, wie Samuel Beckett sie auch vorher hätte besichtigen können. Er begegnete in der Kunsthalle Hamburgs hingegen einer neuen Präsentationsform: den Bildern auf der weißen Wand in einer geraden Linie. Diese Kultur, Kunst zu präsentieren, spitzte sich im Laufe der Zeit auf einen schmucklosen weißen Raum zu, der die Wahrnehmung auf das von der Welt isolierte Werk zwingt.

Um die dennoch verbleibenden Emotionen des mit Ereignissen gefüllten Alltags zu bereinigen, eröffnet Johann Walther Seidensticker die Ausstellung mit einer lyrischen Einstimmung, um den auf die Zahlenkolonnen und Produktions-
rhythmen konzentrierten Verstand in voller Blüte für den Genuss zu öffnen.

Kuratiert von Ulrich Dörrie

Beispielhaft hier zitiert nach Roswitha Quadflieg, »Beckett was here« (Hamburg, 2014), Seite 67: »Nachmittags wieder allein, Entdeckung Fischbratbetrieb Hansa an der Stadthausbrücke, (Fischbratküchen kamen damals gerade in Hamburg auf.), höchst günstige Preise. Am Tag darauf more fish than possible to eat for 55 pf, nachdem bei einem miniscule cobbler in der Caffamacherreihe ein Schuh zum Flicken abgegeben und wieder die Kunsthalle besucht worden war. Abschlussbemerkung zu diesem Besuch: a Barlachs Dorfgeiger, also his angels on stairs & Belling – Schmeling!« (Original Beckett fett hervorgehoben.)

Eingeladen wurden Hamburger Künstlerinnen und Künstler, deren bisheriger Werdegang vermuten lässt, dass sie eine Querverbindung zwischen Bildender Kunst, Literatur und Theater als inspirierend für ihre eigene Arbeit empfinden. Etablierte Künstlerinnen treffen hier auf junge Studierende der Bildenden Kunst. Ein Bezug zu Westwerk und zur Fleetinsel ist vom Kurator bei der Künstlerauswahl durchaus beabsichtigt.

Diesen Künstlerinnen und Künstlern werden Beckett-Zitate aus dem Hamburger Teil der »German Diaries« oder auch aus dem nachgelassenen Briefwechsel quasi als Denksportaufgabe angeboten, mit der Bitte, ein »passendes« Werk zur Ausstellung beizusteuern oder speziell dafür zu entwickeln.

 

*Christopher Loy wird seine Arbeit am Eröffnungsabend
um 21 Uhr cellistisch begleiten.