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Komm in die Gänge.
Komm in die Gänge.
De fofftig Penns (DFP)
»machen plattdüütsch-angetrashtes voll-auf-die-zwölf Elektro/Hip-Hop-Geschranze. Es geht um drei bannig kommodige Jungkeerls aus ursprünglich Bremen-Vegesack und umzu (jetzt Berlin und Hamburch), also Nordlichter direktemang ausm Deich, die die Verbreitung ihrer Lieblingssprache Plattdeutsch als geniale Rechtfertigung erdacht haben, um auf der Bühne durchdrehen zu dürfen. Computermusik trifft auf Reime, die sich vom Niveau her hinter einem Klaus Groth (1819—1899) oder einem Fritz Reuter (1810—1874) nicht verstecken müssen.
Kommodige Jaykopp schmeißt von Achtern digge Beats aus seiner elektronischen Schreibmaschine in den Raum, trägt eine Diskokugel nicht nur im Herzen, sondern auch auf dem Kopf, und produziert bassig-wuchtigen Sprechgesang. Riemelmeester Malde legt darauf seinen berüchtigt-fransigen Wortteppich, krakeelt ins Megaphon, entlockt seinem Synthesizer mächtige Klänge und hüpft dazu. Plietsche Torbän hat einen IQ von nicht weniger als 127, kann als einziges Bandmitglied wirklich singen, ist sehr schmuck und hämmert mit seiner freien Hand auf Becken oder Drummachine, in der anderen parkiert er derweil die Zigarette, die er am Schmöken ist.
Manch einem wird die eine oder andere Melodei bekannt vorkommen, Hauptsache es geht nach vorne, wummert, macht Krach und/oder Spaß. Das Ganze ausschließlich auf Platt und unter dem knackigen Motto ’n beten scheef hett Gott leev. DFP ALTA!«
Solikonzert: Freitag, 2. April 2010
Übergangsregierung
»Die Nacht war kurz. Die Aschenbecher quillen über, der billige Fusel hat gestern noch seine überzeugende Wirkung geleistet. Jetzt der postalkoholische Zustand zwischen der Euphorie der letzten Nacht und den wichtigen Fragen der Twentysomethings: Das alte ›Dead Kennedys‹-Shirt ist ein wenig zu eng geworden, der Job ist nicht das, was man sich noch vor ein paar Jahren gewünscht hat. Andere haben längst aufgegeben: ›Casual Friday‹ und ›Hallo, Herr Kaiser‹ statt Bock und ›Wir sind die Geilsten‹.
In den Sack hauen zählt aber nicht: Mit der nötigen Portion sympathischer Großkotzigkeit, Übermut und — wichtig — Haltung. Das Wunderbare: vorgetragen ohne die typische deutsche Bratwurstigkeit und Jammerlappenpathos. Mit dem Rotz und der Erfahrung etlicher Nächte auf schimmeligen Juze-Matratzen und der Erkenntnis, dass ein guter Beat die Nacht retten kann.
Die musikalische Früherziehung des Punkrocks schimmert an der Oberfläche ständig durch, das Händchen für Melodie & Arrangement toller Popsongs ist da. Daneben spielt das Diktat der Tanzfläche eine zentrale Rolle: Neben ehrlichem Schweiß soll hier getanzt werden! Die Euphorie einer geilen Clubnacht Hand in Hand mit der inhaltlichen Auseinandersetzung des alltäglichen Wahnsinns. Und das Ganze so ehrlich, charmant, eloquent und lebendig, dass man sich in schlimmen Silberjuli-Zeiten freut, dass hier jemand mit Herzblut und Aufrichtigkeit seine eigene Definition deutschsprachiger Musik aufstellt: Im Koordinatensystem der heißen, anglophilen Bands, die Rockmusik wieder diskokompatibel gemacht haben und den heimischen Kapellen, die auf der guten Seite stehen.«
Tobias Trockel [Bass, Klavier, Gesang]
Helge Neuhaus [Schlagzeug, Rhodes, Juno 60, Gesang]
Jan Drewel [Gesang, Gitarre, Bass]
Stefan Trockel [Gitarre, FX, Juno 60, Gesang]
Solidarität mit dem Gängeviertel